Trekking & Kultur in Peru

Während unserer letzten Tage in den USA waren wir uns gar nicht mehr sicher, ob wir noch nach Peru reisen sollen oder doch dem Wunsch, bayerische Berge, Familie und Freunde wieder zu sehen, nachgeben sollten. Wir waren tatsächlich ein bisschen bequem geworden.

Doch einmal den Lonley Planet über Peru aufgeklappt und schon war das Reisefieber wieder geweckt. Nochmal Kultur, Geschichte und schöne Landschaften. Da wir bisher so gut gewirtschaftet hatten und ein wenig Budget über war, verzichteten wir hier auf 15-20 stündige Busfahrten und flogen von Lima nach Arequipa und am Ende von Cusco zurück nach Lima.

Lima bei neuen Freunden

So buchten wir ein Ticket von Los Angeles nach Lima. Ein Freund von Anian, genaugenommen sein früherer Mathelehrer Wolfgang, hat sehr gute Freunde in Lima, die uns – obwohl sie uns überhaupt nicht kannten – nachts vom Flughafen abholten und die nächsten drei Tage und Nächte beherbergten. Eine Künstlerfamilie, die an Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit nicht zu übertreffen ist! Yvette, Alfredo, Diego und Aurora zeigten uns ihre Stadt, wir besuchten Fotoausstellungen, die Abschlussveranstaltung ihrer Tochter, die Flamenco unterrichtet, und erkundeten mit Diego und seiner Freundin das Künstlerviertel Barranco bei Nacht.

Arequipa

Nach drei Tagen im kühlen und bedeckten Lima flogen wir nach Arequipa. Dort hatte ich uns einen Sprachkurs und einen Aufenthalt bei einer Gastfamilie organisiert. Die 6 Tage Einzelunterricht haben mein Basic-Spanisch konversationsfähig gemacht und Anian frischte seine Sprachkenntnisse mit geschichtlichen und politischen Diskussionen mit seiner Lehrerin auf. Unser Zimmer bei der Gastfamilie verließen wir dann auch zwei Tage später erst mal nicht mehr. Die erste Magen-Darm Verstimmung setzte uns 2 Tage außer Gefecht.

Einmal auskuriert erkundeten wir immer nachmittags, nach unserem Unterricht, Arequipa. Eine wunderschöne Stadt, umgeben von hohen Vulkanen. Es gibt unzählige nette Cafes, Restaurants und eine von wunderschönen historischen Gebäuden umgebene Plaza de Armas

Arequipa Markt

Auch ein Highlight, der lokale Markt. Dort gibt es dann beispielsweise tote Alpaca Embryos zu kaufen, die vor einem Hausbau in der Erde begraben werden, um Pacha Mama etwas zurück zu geben. Dass man es vorher Mutter Erde genommen hat, zählt wohl nicht. Es gibt jede Menge weitere Glücksbringer in verschiedenen Größen, die gerne zu Parties bspw. verschenkt werden. Sehr praktisch. Wer hat schon etwas gegen eine extra Portion Glück?

Bekannt ist Peru auch für seine vielen unterschiedlichen Arten von Kartoffeln und den lila farbenen Mais. Aufgrund unserer sensibler Mägen haben wir uns aber mit frischen Fruchtsäften begnügt und die zahlreichen Fleischangebote links liegen lassen. So verbrachten wir entspannte 8 Tage in Arequipa, lernten ein neuseeländisches Pärchen kennen, die mit dem Fahrrad durch Peru bis nach Chile radelten und teilten unsere Reise- und Heimatgeschichten.

Canyon de Colca

Plaza de Armas, Cabanaconde
Blick auf Cabanaconde und den Colca-Canyon

Anschließend ging es morgens um drei mit dem Bus in den Colca Canyon. Um zu wandern und die riesigen Condore fliegen zu sehen. Um acht Uhr morgens kamen wir an. Den 4000 Meter hohen Pass, den wir auf der Fahrt dorthin überquerten, habe ich glatt verschlafen.

Cabanconde

Von Cabanaconde aus wanderten wir in die umliegenden Berge um uns etwas zu akklimatisieren. Das Dorf ist total friedlich und wer die Trachten Perus mag, setzt sich einfach an den Straßenrand und beobachtet Passanten. Das eigentliche Highlight – neben den Condoren – ist eine 2-3 Tage Wanderung durch den Canyon. Das stelle ich mir ziemlich cool vor. Wenn man das nicht macht, muss man jetzt nicht zwingend den Weg hierher auf sich nehmen finde ich.

Chivay

Am nächsten Vormittag fuhren wir an das andere Ende des Canyons, nach Chivay. Auf 3700 Metern Höhe zu übernachten passte perfekt in unseren Akklimatisationsplan für den mittlerweile gebuchten Trek um den Ausangate. Leider schlug sich die Höhe bei Anian in argen Kopfschmerzen nieder. So erkundete ich die Hügel um das Dorf auf eigene Faust und versorgte Anian mit Sandwiches im Hotelzimmer. Immerhin gab es hier eine Heizung im Zimmer, yeah! Sobald die Sonne verschwand, war es nämlich immer recht frisch hier.

Wir setzten unsere Reise am nächsten Morgen mit einem touristischen Bus fort, der uns in 8 Stunden nach Cusco brachte. Und die Fahrt war ein echtes Highlight! Der Busfahrer hielt immer mal wieder, erklärte uns die seltenen Pflanzen, die auf diesen Höhen wachsen, ließ uns Alpacas und Chinchillas fotografieren und hielt für einen kleinen Snack und Koka-Tee.

Vicuñas sind die einzigen nicht domestizierten Lamas in Peru

Auch an einer riesigen Miene kamen wir vorbei. Die ist wohl auch der Grund dafür, warum die Straße durch die Pampa so breit und neu war. Interessanterweise gehört die Miene einer Schweizer Firma. Sie macht damit Millardenumsätze. Das von diesem Geld viel in der Region bleibt, kann man sich allerdings nicht vorstellen.

Cusco

In Cusco angekommen war ich erst mal überrumpelt von den Touristenmassen, die sich durch das historische Zentrum drängten. Wir verbrachten auch hier viel Zeit in der Stadt. Auf einem Hügel darüber gab es beeindruckende Inkaruinen zu sehen sowie einen überdimensionalen Jesus, wir shoppten ein wenig für die Wanderung und ich erkundete die Yoga Studios der Stadt.Schon am zweiten Tag kam Magen-Darm Infekt Nummer 2, der uns beide abermals ans Bett fesselte. So mussten wir unseren Ausangate Trek verschieben, was Gott sei Dank kein Problem war. Denn dieses eine Highlight wollten wir uns nicht entgehen lassen. Nach zwei komfortablen Nächten im Krankenhaus am Tropf – Anian sah schon total abgemagert aus und ich hatte lt. Bluttest Typhus – suchten wir uns zum auskurieren noch eine schöne Unterkunft für ein paar Euro mehr, auch mit eigenem Bad. So fanden wir eine AirBnB Wohnung im Künstlerviertel San Blas, aus der wir gar nicht mehr ausziehen wollten.

Ausangate Trek

Der Ausangate vom Dach von Ernestos Hostel in Tinke

Nachdem wir endlich wieder fit waren fuhren wir nach Tinke. 3 Stunden Busfahrt auf der Transoceanica, der Straße, die West- und die Ostküste Lateinamerikas verbindet. Über 6200 km lang! Dort wurden wir von Ernesto, unserem Guide in Empfang genommen (mehr zu ihm hier, falls ihr auch Interesse an einer Tour habt).Er wusste um unsere sensiblen Mägen und hat freundlicherweise in der kleinen Kneipe darum gebeten die Hühnerbeine aus der Suppe zu nehmen, bevor sie uns serviert wurde. Naja, vielleicht hielt er uns auch einfach für die typischen europäischen Weicheier. 🙂

Am nächsten Morgen trafen wir seinen Freund Thomas, der die drei Pferde für den Trek mitbrachte, und los ging es. Gleich am ersten Tag übersprangen wir ein geplantes Camp und näherten uns so den Rainbow Mountains, die wir am nächsten Tag erreichten. Die Höhe machte uns beiden erfreulicherweise nichts aus. Die Pässe waren zwar steil, aber die Höhenunterschiede nicht so groß, also alles im Rahmen.

Schon nach den ersten Stunden waren wir von diesen Landschaften wirklich beeindruckt.

Unser erster Pass
Gletscher so weit das Auge reicht und smaragdgrüne Seen

Und auch die Rainbow Mountains enttäuschten nicht. Die farbigen Berge sind wunderschön und wir kamen gerade noch rechtzeitig, um sie eingetaucht in Sonnenstrahlen zu sehen.

Las Montañas de Siete Colores
Vulkanasche mit unglaublichen Farben
Der steile Weg zurück von den bunten Bergen

Unsere beiden Guides überraschten uns schon am ersten Nachmittag mit frischem Popcorn im Kochzelt. Die beiden kochten abends Reis oder Nudeln mit Gemüse, bereiteten uns immer ein leckeres Frühstück zu (Pancakes, Müsli oder Semmeln) und versorgten uns stets mit warmem Tee. Allein der Komfort eines Zelts zum Essen war schon einen Guide wert.

Unser Zeltplatz für die 1. Nacht
Und immer wieder Herden von Alpacas
Alpacas
Überraschung am 2. Morgen – es hatte nachts ordentlich geschneit

Die nächste Nacht hielt 15 Zentimeter Schnee für uns bereit. Gott sei Dank hatte ich noch nach zusätzlichen Decken gefragt, bevor wir los marschierten. Sonst wäre es ganz schön eisig geworden. So überquerten wir den höchsten der Pässe, 5200 Meter, schneebedeckt.

Auf dem 5200 Meter hohen Palomani Pass

Der Blick dahinter gab einen Gletschersee frei, zu dem wir mit Ernesto und einem der wilden Hunde hier, alleine wanderten.

Laguna Rosada de Bryancocha ist ein surrealer Ort

Der Hund besaß übrigens ein fatales Energiemanagement. All seine Energie verbrauchte er mit dem Jagen von Chinchillas, was natürlich vollkommen aussichtslos war.

3. Übernachtungsplatz

Nach einer weiteren Nacht, in der der Pferdewirt noch einmal 6 Kilometer wanderte, um in einem nahegelegenen Dörfchen Zusatzfutter für die Pferde zu besorgen, wurden wir am nächsten Tag wieder von bestem Wetter geweckt und wanderten durch beeindruckende Landschaft zum Endpunkt der Tour.

6.000er zum Greifen nahe
Vischacha, eine Chinchilla-Art
Kurz vor Pachanta
Auf dem Rückweg von Pachanta mit dem Taxi nach Tinke

Wieder in Tinke, besuchten wir am nächsten Tag zusammen mit Ernesto eine große Fiesta im nächsten Dorf. Viehversteigerung, Hahnenkämpfe und selbstgemachte Websachen gab es zu entdecken. Wir kauften fleißig bei Ernestos Frau ein, die für Ihre Taschen sogar eine Auszeichnung auf der Fiesta erhielt.

Zum Abschluss tranken wir noch gemeinsam mit unseren Guides ein Bier und machten uns dann auf den Weg zurück nach Cusco, in unser süßes Apartment. Dort verbrachten wir noch 1,5 Tage mit einem französischen Pärchen, dass in Paris alles aufgegeben hat, um 2 Jahre gemeinsam zu reisen. Und ich gönnte mir nach einer knackigen Ashtanga Yogastunde eine Massage. Herrlich!

In Lima trafen wir dann Wolfgang, der Freund, der uns zu Iyvette und Alfredo “vermittelt” hatte. Er war zuvor in Chile unterwegs und jetzt zum Abschluss noch auf Freundesbesuch in Peru.

Wir kommen bestimmt noch einmal wieder. Perus Menschen waren mit die gastfreundlichsten, die wir getroffen haben und ich möchte unbedingt noch den Machu Pichu sehen sowie den Amazonas mit seinen vielen bunten Tieren.

Europe Calling

Am 25. August ging es nach 7 Monaten reisen schließlich zurück nach Europa. Auch wenn es eine einzigartige Zeit in unser beider Leben war, so freuten wir uns doch auch ein wenig auf Europa und unsere Freunde und Familie Zuhause. Das Chiemgau gehört für mich auch nach dieser Weltreise zu den lebenswertesten Fleckchen dieser Erde.

Spaciger Zwischenstopp im Mexico City Airport

Nach einem 6 stündigen Aufenthalt auf dem Flughafen von Mexico Stadt, den wir zumeist in unserer Space Capsule verbrachten, trennten sich in Madrid unsere Wege. Anian flog nach München und ich machte mich auf nach Andalusien, um mich mit 8 weiteren liebenwürdigen Menschen aus der ganzen Welt meiner Yoga Praxis zu widmen..