Berge, Vulkane & Wildlife: Grand Teton, Yellowstone und Banff Nationalpark

Nach einigen Wochen Hitze und Wüste fuhren wir ein ganzes Stück Richtung Norden und ich freute mich schon darauf Wildtiere zu sehen, mit denen wir in Europa ja leider nicht mehr gesegnet sind.

Nach einem kurzen Abstecher in dem wunderschönen Millcreek Canyon bei Salt Lake City (die Stadt hat uns bei der Durchfahrt mit ihren gefühlt hundert sterilen Kirchen jetzt nicht so angesprochen), in dem wir einen Abend kletterten und ein Bier auf einem wunderschönen Campground genossen, fuhren wir weiter Meile um Meile nach Norden.

Grand Teton Nationalpark

Der Grand Teton Nationalpark lieg in Wyoming und zieht sich entlang der Teton Bergkette mit bis zu 4000 Meter hohen Bergen. Eine wundervolle Kombination aus Bergen und einem weiten Tal, durch das sich ein Fluss seinen Weg bahnt.

Wir ließen uns an einem hübschen Campground am Jenny Lake nieder und gingen die nächsten Tage wandern. Auch in geringer Höhe lag noch viel Schnee, sodass nicht allzu viele Wanderungen möglich waren. Wir liefen eine Runde um einen See und entdeckten gleich unseren ersten Elch (heißt auf englisch Moose, während der Hirsch Elk heißt ;-). Am nächsten Tag machten wir ein paar Höhenmeter bis uns der Schnee nicht mehr weiter ließ und vergnügten uns mit dem Beobachten von Squirrels und Murmeltieren. Auch die Schwabacher Landing, ein Flussbett, mit den dahinter emporragenden, schneebedeckten Bergen, war eine Augenweide! Abends sammelten wir Holz für ein gemütliches Lagerfeuer und entdeckten auf dem Rückweg noch eine Herde Büffel. Meine ersten! Die sind soo cool!

 

Yellowstone Nationalpark

Der Yellowstone Nationalpark empfing uns, da höher gelegen, mit einem noch komplett zugefrorenem See. Je weiter wir hinein fuhren, desto wärmer wurde es wieder. Wasser schoss durch Flüsse und die Berge hinab.

Wir holten uns ein Permit für Backcountry/Wilderness Camping. D. h. man nimmt sein ganzes Zeug, also Zelt, Gaskocher etc., mit und wandert zu einem kleinen Platz, an dem man zelten darf. Mitten in der Wildnis. Damit wir uns auch ordentlich verhalten und Respekt vor den Schwarz- und Grizzlybären eingeflößt bekommen, sahen wir uns ein Info-Video an. Immer schön Krach machen, klatschen, singen oder reden, damit der Bär nicht überrascht wird und sich gezwungen sieht uns seine Pratze ins Gesicht zu hauen, und los gings!

Unser erster Zeltplatz lag oberhalb eines kleinen Sees. Nicht so spektakulär, aber die Wanderung war durch das viele Wasser, dass im Tal stand und die Bäche, die wir überqueren mussten, abenteuerlich. Tagsüber fuhren wir durch die atemberaubende Landschaft und sahen super viele Büffel, Wildgänse und Elche. Auch die Grand Prismatic Spring besuchten wir. Wahnsinn, dieses Farbenspiel! Der Park war zwar selbst in der Vorsaison sehr gut besucht und mit Selfi-Verrückten Asiaten bevölkert, aber das nimmt ihm nichts seiner Faszination.

 

Backcountry Camping im Yellowstone

Wir wollten noch einmal in der Pampa campen und taten mit unserem zweiten Backcountry Platz einen richtigen Glücksgriff. Eine super schöne Wanderung, vorbei am warmen Clear Lake, führte uns durch vulkanische Landschaft in einen Wald am Rande des „Grand Canyon“. Wir schlugen unser Zelt auf und bekamen abends Besuch von unserer Nachbarin. Lustigerweise eine bergbegeisterte Deutsche, die schon seit 1,5 Jahren reist. Mit Kathrin haben wir uns super unterhalten und trafen uns am nächsten Tag nach dem Frühstück am Canyon zur gemeinsamen Rückwanderung, auf der wir noch Spuren eines Grizzlys entdeckten. Mir persönlich reichen die Spuren ja. 😉

Weil wir uns so gut verstanden, haben wir gleich noch einen Backcountry Platz mit Kathrin an einem Fluss gebucht. Die restliche Gin Flasche war schnell geleert und wir machten uns morgens auf den Weg zu den vulkanischen Sehenswürdigkeiten des Parks, bevor wir nach einem gemeinsamen Mittagssnack weiter Richtung Norden fuhren.

Weiter ging es in den Glacier Nationalpark, der an der kanadischen Grenze liegt. Wir hatten nicht so viel Glück mit dem Wetter und fuhren so weiter Richtung Norden. In einem Seitental des Parks, das an einem wunderschönen See liegt, kochten wir unser Mittagessen und hatten auf dem Rückweg noch das Glück einen Bären zu sehen.

Montana

Es ging weiter Richtung Norden durch den überraschend schönen Bundesstaat Montana. Grasige Hügel in sattem Grün, rötliche Bäume, unzählige Seen und nur wenige Häuser passierten wir auf unserer Route.

Eigentlich eine schöne Erinnerung, wenn da nicht diese Nacht in einem National Forest auf einem relativ verlassenen Campground gewesen wäre. Wir haben uns schön am See platziert, hundert Meter weiter stand noch ein Zelt und ansonsten war nur noch der Host des Platzes vor Ort. Wir wachten beide Nachts von einem Streit auf. Ein (zumindest) alkoholisiertes Pärchen stritt sich lautstark, bis er einfach davon fuhr uns sie hysterisch rum schrie und heulte. Ich hatte auf der Hinfahrt noch ein Plakat, das zum gemeinsamen Kampf gegen die Droge Meth und deren Verbreitung in Montana aufrief, daher hatte mein Gehirn die beiden schon in eine Schublade geschoben. Mir war überhaupt nicht wohl bei der Sache und wohl noch nie so froh, als ich endlich einschlief und am nächsten Tag die Sonne aufging.

Kanada

Ein paar Kilometer weiter überquerten wir die kanadische Grenze. Der Grenzer ließ uns – obwohl wir seine Frage, ob wir denn, aus Deutschland kommend, Ingenieure seien verneinen mussten – ein und wir holten uns im Waterton Nationalpark ein Permit für einen Zeltplatz in der Wildnis.

Die Sache mit dem Bär …

Nach einer kurzen Wanderung kamen wir am Crandell Lake an. Ein junger Schweizer wollte gerade wieder gehen. Schon seit einer Stunde sei hier in Bär unterwegs. Wir waren trotzdem guter Dinge, er baute sein Zelt auch wieder auf, denn zu dritt würde uns schon nichts passieren. Ich wollte nur mal kurz den See begutachten und – huch – da war er. Mein Herz schlug erst mal ein wenig schneller als ich diesen Braunbären in ca. 20 Metern Entfernung sah. Er kam nicht näher, folgte uns jedoch, als wir vom Zeltplatz hinüber zu den Bänken, an denen wir kochen wollten, gingen. Wir versuchten ihn mit Klatschen zu vertreiben (ich gebe zu mich zwischenzeitlich im Plumpsklo versteckt zu haben ;-), aber leider interessierte das den Bär nicht wirklich. Nach einem ergebnislosen Anruf bei den örtlichen Rangern, entschieden wir uns den Rücktritt anzutreten. Also wieder retour wandern, einmal um den Berg fahren und auf einem normalen Campground nieder lassen.

Am nächsten Tag wanderten wir noch zu dem wunderschönen Bergsee Bertha Lake. Zurück im Tal kühlten wir uns im eiskalten See ab und fuhren mal wieder – Richtung Norden.

Calgary

In Calgary, Alberta, legten wir 3 Tage einen Zwischenstopp zum Shoppen, Foodtruck Essen und Craft Beer trinken ein. Zufälligerweise war an einem Tag ein kleiner Markt, ähnlich dem Tollwood, durch den wir schlenderten und letztendlich in einer kleinen, lokalen Brauerei beim Beer-Tasting hängen blieben und uns von zwei Locals Tipps für den anstehenden Banff-Trip geben ließen.

Und endlich gab es auch wieder besser sortierte Supermärkte, in denen es bspw. immer normales Brot und nicht nur diese zuckerhaltige, knatischgen Varianten gibt.

Banff & Jasper Nationalpark

Wir wollten in Canmore, kurz vor Banff, klettern gehen. Allerdings regnete es den ganzen Tag wie wahnsinnig. So buchten wir uns in die örtliche Kletterhalle mit angeschlossenem Schwimm- und Dampfbad ein. 🙂

In der Stadt Banff angekommen, gingen wir zum ersten Mal seit Monaten ins Kino. In einem kleinen, historischen Kino wurden Bergsportfilme gezeigt, sehr cool!

Wir waren eh schon beeindruckt von den uns umgebenden Bergketten, aber die beiden Seen Moraine Lake und Lake Louise, waren wirklich der Wahnsinn. An Letzterem konnte man sogar klettern. Wir packten also unsere sieben Sachen und kletterten zum ersten Mal an kompaktem Quartzite. Die Routen machten Spaß und die Aussicht auf den See war wunderschön!

Über den berühmten Icefields Parkway ging es weiter Richtung Jasper Nationalpark. Kanada wie es im Buche steht: Tolle Berge, Gletscher und weite Flusstäler, durch die sich das Wasser seinen Weg sucht. Und wir hatten das Glück eine Mountain Goat zu sehen!

Angekommen im süßen Ort Jasper, gönnten wir uns einen guten Kaffee, Sandwiches und unserer Wäsche eine Laundry. Wir überlegten noch zu bleiben, aber nachdem wir bereits fast zwei Wochen in ähnlicher Landschaft unterwegs waren, entschieden wir uns Richtung Westen zu fahren. Nach Skaha, das uns jede Menge Klettern, Sonne und Wärme versprach.