Start in die USA: Nevada, Arizona und Utah

Ein bisschen aufgeregt war ich ja schon, als wir zum Landeanflug in Los Angeles ansetzten. Ich war noch nie in den USA und hatte vor unserer Reiseplanung nicht wirklich viel Ahnung davon, was das Land eigentlich zu bieten hat. Einzig eine Meinung zur amerikanischen Politik hatte ich im Gepäck.

Die erste positive Überraschung: Wir konnten bei unserer Mietwagenfirma das Auto in der Mittelklasse selbst auswählen. Aus über 10 unterschiedlichen, allesamt quasi neu. Das ist ungefähr das Gegenteil von Neuseeland, wo das mieten teuer ist und man für einen fairen Preis nur Autos bekommt, die mindestens 10 Jahre alt sind.

Wir machten uns auf Richtung Las Vegas.

So ließen wir uns abends über den berühmten Las Vegas Strip treiben, sahen uns ein Casino von innen an und ließen uns dann mit einem Belgien Wheatbeer und einem Nevada IPA am Straßenrand nieder, um die Leute zu beobachten. Am nächsten Vormittag nutzen wir das lange nicht mehr dagewesene Großstadtfeeling, um shoppen zu gehen. Nach 3 Monaten ständig dasselbe tragen, gönnte ich mir ein schickes Kleid, um mal wieder etwas anderes, als typische Travel- und Sportkleidung zu tragen. Sehr befriedigend. 🙂

30 Minuten von Las Vegas entfernt liegt der Red Rock Canyon. Das war für uns quasi der Einstieg in die faszinierende Welt der Felsen in den USA. Sanft geschwungener, roter Fels mitten in der Wüste. Ned schlecht.

HouseSitting in Nevada, Mesquite

Am Nachmittag fuhren wir weiter nach Mesquite. Noch nie gehört? Ich auch nicht, bis ich die House Sitting Anzeige einer Amerikanerin entdeckte und feststellte, dass der Ort direkt auf unserer Reiseroute liegt. So bezogen wir ein gemütliches Haus, das – wie 90 % aller anderen Häuser in diesem Ort – direkt an einem Golfplatz liegt. Von der unteren Terrasse aus kann man direkt abschlagen (heißt das so?). Die Hausbesitzer sind für eine Woche nach Maui geflogen. Zum Golfen. 🙂 Der Pin an ihrer Waschmaschine zeigte, dass sie es ernst meint mit ihrem Sport.

You can either have a life, or be good at playing golf.

Wir versorgten hier eine gesprächige Katze – Sissie – mit Streicheleinheiten und Fang-das-Band Spielchen. Anian hat sich gleich in den Niedergargrill, oder wie immer man diese Dinger nennt, verliebt. Und ich in das Grill-Ergebnis. 🙂

Zion Nationalpark

Wir erkundeten tagsüber die kleinen Klettergebiete der Gegend und fuhren zweimal in den Zion Nationalpark. Wow! Wie wunderschön diese Landschaften sind! Hoher, roter Fels umgeben von sattgrünen Bäumen und Büschen. Wir wanderten auf die berühmte, ausgesetzte Anhöhe “Angels Landing”. Es war schon ordentlich Betrieb, weshalb wir zuerst noch ein paar Höhenmeter den East Rim entlang marschierten. Am Nachmittag war dann auch ein bisschen weniger los auf dem ausgesetzten Grad. Die Aussicht in den Canyon war fantastisch. Und es gab ganz viele kleine Squirrel, die in der Hoffnung auf Futter nah ran kamen. Die sind ja sooo süß!

Am nächsten Tag fuhren wir zum Klettern in das Zion Gebiet. Allein der Zustieg – eine halbstündige Wanderung hinein in einen Canyon – war schon wunderschön. Und die Routen? Der Hammer! Aufgrund der Steilheit kamen sie ein wenig einem Outdoor Fitnessstudio gleich. Mindestens 30 Meter hangelte man sich überhängend an meist guten Griffen hinauf. Und zwischendurch konnte in Löchern in der Wand gerastet werden, die gerade so groß waren, das man sich hinein setzen konnte.

Bryce Canyon & Grand Canyon

Nach 5 Tagen machten wir uns auf Richtung Grand Canyon. Zur Stärkung holten wir uns noch einen Kaffee bei Starbucks (mir war ja nicht klar, wie stark das Restaurant- und Caféleben in ländlicheren Regionen der USA auf Franchiseketten beschränkt ist). Der ist in Mesquite in einem Casino untergebracht. 1O Uhr morgens und der Laden ist schon gut besucht mit rauchende, trinkenden Mitmenschen die vor Maschinen sitzen, Knöpfe drücken und auf den großen Gewinn hoffen. Krass!

Angekommen im Bryce Canyon staunten wir nicht schlecht. Diese unwirklich wirkenden Formationen aus rotem Fels sind wirklich genial. Wir wanderten durch die Felstürmchen und fuhren dann weiter Richtung Grand Canyon (North Rim).

Da wir uns allerdings nicht schon 6 Monate vorher um einen Campingplatz gekümmert hatten, waren diese schon belegt als wir ankamen. Ein älteres Ehepaar, das einen Platz betreute, gab uns den Tipp, dass in den National Forests auch wild gecampt werden darf. Ihren Lieblingsplatz verrieten sie uns auch. Und so hatten wir eine halbe Stunde später einen einsamen Platz im Wald, mit Feuerstelle und -holz gefunden. Zelt aufbauen, Feuer machen, Gaskocher an und zu Sportfreunde Stillers “Heimatlied” singen. Herrlich!

Toller kostenloser Campingplatz im National Forest

Am nächsten Tag genossen wir bei bestem Wetter die Aussicht auf den gigantischen Canyon. Am North Rim ist erstaunlich wenig los. Und wir kamen sogar noch in den Genuss eines Vortrags zur Geologie des Canyons. Wie er entstanden ist? Ich sag nur: D.u.d.e.: Deposition, Uplift, Down Cutting and Erosion 😉

Monument Valley und Moab

Abends fuhren wir durch das Monument Valley, in dem früher die Werbung für Malboro gedreht wurde, in der der coole Cowboy an fast genauso coolen Felsen vorbei ritt. Das Glück stand auf unserer Seite uns so ergatterten wir den letzten Platz auf einem Campingplatz in der Wüste. Als wir zum Sonnenaufgang aufstanden realisierten wir, dass unser Zelt quasi direkt vor der Hauptattraktion stand. Wahnsinn!


Vorbei am Horseshoe Bend (Mann, das war echt ein beeindruckender Ausblick!) ging es nach Moab, einer der Geburtststätten des Mountainbikings. Seit ich im European Outdoor Film Festival einen Beitrag über das Biken über Moabs Felsen gesehen habe, möchte ich das unbedingt machen! Zelt aufgeschlagen, Bike mit ordentlich Federweg und Fat Tires gebucht und gemütlich zum Ausgangspunkt des Whole Enchilada Trails schutteln lassen.

Whole Enchilada Trail

Dieser zählt unangefochten zu den schönsten MTB Trails der Welt. 4400 ft geht es eigentlich hinab. Für uns ein bisschen weniger, da ganz oben noch Schnee liegt.

Der Trail ist super abwechslungsreich. Startet in Gebirgslandschaft, geht dann über in felsiges, sandiges Gebiet mit Ausblick auf einen Canyon. Wir sind dann zwischendrin abgezweigt, um auch noch den Slick Rock Trail – eine Strecke über riesige orange Felsen – zu fahren. Sau geil!

 

 

Hier der ganze Trail zum Nachschauen. Wegen Schnee gings bei uns erst ab Hazard los.

 

Auch zum Klettern am feuerroten Sandstein kamen wir noch. Ganz anders als bei uns. Sehr technisch, aber nach den ersten 1-2 „Ich will sofort wieder zurück nach Südafrika an den Fels!“ fand ich doch noch richtig Freude an den Routen.

Auf einem kleinen Campground trafen wir abends zwei Südtiroler, mit denen wir Reisegeschichten austauschten und einen Iren, der sich vor langer Zeit in Los Angeles niederließ und mit seinen Geschichten den Platz unterhielt. Überaus großzügig verteilte er sein „German Fake Beer“, ein lt. Etikett aus Deutschland stammendes Dosenbier. Bäh.

Arches Nationalpark

Bevor wir weiter nach Norden fuhren, sahen wir uns noch die fragil wirkenden „Arches“ im Arches Nationalpark an. Nachdem uns die Sonne am Tag zuvor beim Biken schon 6 Stunden auf den Kopf geschienen hatte, begnügten wir uns hier mit den kürzesten Trails zu den Sehenswürdigkeiten.