Neuseelands Südinsel

Neuseelands Südinsel – da werden bei vielen die Augen groß. Mit entsprechenden Erwartungen sind wir vom Flughafen Auckland mit Jetstar nach Christchurch gestartet. Wegen des Volunteering und Housesittings auf der Nordinsel haben wir nur 14 Tage Zeit für die Südinsel. Wir sind daher geflogen, um mehr Zeit dort zu haben. Vor dem Boarding brach uns der Schweiß wegen unseres viel zu schweren Handgepäcks (Jetstar erlaubt nur 7 kg) aus. Veronika erwog sogar die Laptops hinten in den Hosenbund zu stecken. Die ganze Aufregung war allerdings umsonst: Für uns hat sich zum Glück niemand interessiert.

Ankunft

Nach der Ankunft gabs einen kleinen Schock: als ich den Shuttleservice von Jucy-Rentals anrief hies es man hätte uns früher erwartet und die Station sei nun geschlossen. Wir sollten bitte morgen wiederkommen. Irgendjemand hatte bei der Buchung Mist gebaut. Vermutlich der deutsche Vermittler. Als wir uns mit dem Taxi auf den Weg in einen Holidaypark zur Übernachtung machten hatten wir allerdings Glück: auf dem Weg lag die Jucy-Station und oh Wunder, es war noch jemand da und bereit uns doch noch das – wie sich herausstellte – Oma-Auto zu geben. Nun konnten wir uns also doch direkt auf den Weg zum Mount Cook machen.

Wie wir feststellten, fuhren wir die Runde über die Südinsel in die entgegengesetzte Richtung des Touristenstroms, um am Ende der Reise unseren Freund Paul in der Golden Bay zu besuchen. Die Richtungswahl stellte sich als Vorteil heraus: in unserer Richtung war deutlich weniger Verkehr und wir bekamen abends auf den Campingplätzen und in den Hostels frische Tipps von Reisenden, die gerade von dort kamen, wo wir hin wollten.

Mount Cook (Aoraki) – höchster Berg der Südinsel

Yoga vor dem Mount Cook im Abendlicht

Das erste Stück der Fahrt zum Mount Cook ist nicht sehr spannend. Ehrlich gesagt hatte ich eine etwas romantisierte Vorstellung von der Südinsel: ursprüngliche Landschaften und ein paar Schafe soweit das Auge reicht. Die Landschaft ist zwar tatsächlich deutlich weniger besiedelt als Neuseelands Norden, allerdings ist die Ostküste der Südinsel doch recht vom Menschen geprägt. Je näher wir den Bergen kamen, desto mehr entdeckten wir jedoch das Neuseeland aus unserer Vorstellung.

Die Landschaft auf dem Weg zum Mount Cook erinnert an die kargen und welligen Grasberge von Montana. Aber dann folgt die immense Seenlandschaft, die immer mehr ins Hochgebirge über geht. Das Tal vor dem 3724 Meter hohen Berg mit Mt Cook Village ist atemberaubend: die Landschaft ist wunderschön und wild, von den Bergen hängen die Gletscher fast noch bis ins Tal und zwischendurch fließen Wildwasser.

Ein absoluter Traum: White Horse Hill Campsite

Hooker Valley Walk

Nachdem wir unser Zelt am schönen White Horse Hill Campground aufgebaut hatten, wanderten wir in das Hooker Valley in Richtung Mount Cook. Nach einer halben Stunde sehen wir den Berg in voller Pracht und – was wohl selten ist – wolkenfrei. Die Wanderung ist eher ein zweistündiger Spaziergang, aber die Landschaft und der Weg über mehrere Hängebrücken, lohnen sich sehr.

Abends schlichen wir uns aufgrund der Kälte zum Kochen in das nahgelegene Backpacker Hostel. Keiner hats gemerkt :-). Als wir zurückkamen, sahen wir den unglaublich detailreichen Sternenhimmel und ich testete gleich mal, was die neue Kamera in Sachen Sternfotografie so drauf hat. Die Nacht war dann eher etwas frisch. Aber das kannten wir ja bereits von der Nordinsel.

Dunedin und Otago

Nach etwas hin und her entschieden wir uns den vierstündigen „Umweg“ über Dunedin zu machen. Die Fahrt dorthin ist toll. Es geht an einem See nach dem anderen vorbei bis man wieder an die schöne Küste kommt.

Dunedin, Foto by Dunedin_NZ via Flickr (https://flic.kr/p/7trLxB)

 (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons
Rathaus
Dunedin ist eine nette, etwas alternative Stadt mit tollen Bars, Galerien und ein paar alten Gebäuden (die sind eher selten in Neuseeland).
Abgestiegen sind wir im gemütlichen und zentral gelegenen Hogwartz-Backpacker. (Anmerkung Veronika: Für alle Harry Potter Leser, wir hatten das Zimmer 9 3/4, yeah!). Man fühlt sich da fast wie zuhause. Deshalb entschieden wir uns gleich zwei Nächte dort zu bleiben und fuhren am nächsten Tag über die wunderschöne Otago-Halbinsel.

Otago Halbinsel

Am Sandfly Beach sind wir dann unseren ersten Seelöwen begegnet.

Typisch Neuseeland: Meer und Schafe

Interessant war auch das kostenlose Museum von Dunedin. Man lernt dort viel über die erst 200 jährige Geschichte des Ortes und wie es sich für die ersten Siedler angefühlt haben muss.

Fjordland und Milford Sound

Der Mildford Sound mit dem wolkenverhangenen Mitre Peak

Fjordland

Von Dunedin fährt man lange 400 Kilometer immer schön gemütlich mit 100 kmh zum Milford Sound. Verpasst haben wir an dem Tag nichts, da das Wetter zunehmend schlechter wurde. Und gelohnt hat sich die Fahrerei allemal: nach dem Touriort Te Anau (120 km vor dem Milford Sound) geht es immer tiefer in den Fjordland Nationalpark. Viele Reisende hatten uns vorab den Doubtful Sound anstelle des Milford Sounds empfohlen. Nachdem man dort aber nicht selbst hinfahren kann und Touren richtig teuer sind, fuhren wir dann doch Richtung Milford Sound.

Kurz vor dem Ende der Straße bogen wir auf 7 km Schotterstrasse zum sehr schrägen Dschungel-Campingplatz Hollyford Gunns Camp. Wir stellten schnell unser Zelt auf und flohen sofort wieder vor den stechenden Sandfliegen. Zumindest waren wir aber froh abends bei den kalten Temperaturen einen trockenen und halbwegs warmen Gemeinschaftsraum mit Küche sowie Duschen zu haben. Die malerisch gelegenen DOC Campingplätze sind bei warmen Wetter sicherlich toll, aber eben nur mit Plumpsklo ausgestattet.

Nachmittags haben wir eine tolle Hochgebirgswanderung auf den „Gertrudes Saddle“ unternommen und vorher noch unseren ersten Kea-Papagei gesehen. Aus irgendeinem Grund haben es diese Vögel auf die Autogummis abgesehen. Kaum stehengeblieben, landete auch schon einer auf unserem Autodach und fing an mit dem Schnabel die Gummidichtung raus zu reißen. 😉

Taleingang vor „Gertrudes Saddle“

Mildford Sound

Am nächsten Morgen gings dann in den immer noch wolkenverhangenen, aber trotzdem schönen Fjord mit der günstigen Jucy Cruise. Leider bekamen wir den Mitre Peak diesmal nicht zu Gesicht. Wir wurden aber damit mehr als entschädigt, dass der Kapitän bis auf jeweils 3 Meter an die tosenden Wasserfälle heran fuhr und wir bei der Rückfahrt von einer großen Gruppe Delfine begleitet wurden.

Wasserfall im Milford Sound

Queenstown und Wanaka – Perlen auf Neuseelands Südinsel

Nach der Milford Sound Cruise ging es 290 km weiter nach Queenstown. Die Landschaft ist dort so ganz anders als im Fjordland: ockerbraune, trockene Grasberge erheben sich aus einer endlosen Seenlandschaft. Der Ort selbst ist recht touristisch, aber trotzdem nett.

Fürstlich Speisen kurz vor Queenstown

Klettern in Wye Creek

In der Nähe von Queenstown sind wir beim wunderschön gelegenen Wye Creek Klettern gegangen. Mal wieder ungewohnte Fels mit tollem Blick auf See und Berge. Veronika hat sich als Erste in die supersteile 21er Route getraut. Ich konnte dann natürlich keinen Rückzieher mehr machen…

Veronika meistert die supersteile 21er (6b+)

Wanaka

Abends fuhren wir dann leider schon wieder weiter nach Wanaka – wir wollte ja noch Paul in der Golden Bay besuchen. Wanaka ist ein beschaulicher Ort. Wesentlich kleiner als Queenstown, aber auch an einem See und mit unzähligen Klettermöglichkeiten. Abends gönnten wir uns den empfehlenswerten „Luxuscampingplatz“ Wanaka Kiwi Holiday Park mit Sauna (leider nur 60°), Blubberbecken, glampingwütigen Asiaten und gemütlicher Küche.

Auf Pauls Empfehlung hin sind wir am nächsten Tag noch kurz am Diamond Lake vier wirklich tolle Routen geklettert. Anschliessend haben wir uns am Stück auf den langen Weg zur Golden Bay am Nordende der Südinsel gemacht. Die Westküste mussten wir leider aus Zeitgründen überspringen. Zwischendurch hatten wir aber kurz Zeit für die tollen Blue Pools, die ca. eine Std. hinter Wanaka liegen. Eigentlich handelt es sich dabei um einen Fluss mit glasklarem Gletscherwasser.

Blue Pools

Motueka und Golden Bay

Nach langer Fahrt kamen wir dann bei Paul und Freundin Karen in Motueka (nahe Nelson) an. Paul hatten wir  2012 beim Klettern in Thailand auf Laoliang kennengelernt.

Die nächsten Tage wohnten wir dann bei Paul und Karen und gingen mit ihnen in Paynes Ford und Pohara Klettern. Leider hat es beim ersten Mal derart geregnet, dass wir nur wenige steile Routen klettern konnten. Die nächsten Male sind wir dann jede Menge Kalkrouten mit z. T. Angstschweiss auf der Stirn geklettert. Die Hakenabstände oft schon weiter als gewohnt. Wir waren sehr froh über Pauls Clipstick und haben fleissig Gebrauch davon gemacht.

Neben Paynes Ford haben wir eine Nacht bibbernd im Klettercamp verbracht. Das Camp ist eher was für eingefleischte Langzeit-Hippie-Kletterer-Camper. Für eine Nacht wars OK und die tolle holzbeheizte Sauna im Waitapu Spa hat uns umso mehr gefallen. Das nächste Mal würden wir direkt dort übernachten.

Die Golden Bay ist ein wirklich wunderschönes Fleckchen Erde. Der zentrale Ort ist der verschlafene Hippie-Ort Takaka. Eines der schönsten Dörfer Neuseelands. Essen kann man wunderbar im gemütlich rustikalen Mussel Inn. Wir hatten Pumpkin Pie, den wir mit selbstgebrautem Bier runtergespült haben.

Abel Tasman National Park

Eigentlich, ja eigentlich hatten wir vor, den ganzen Abel Tasman Trek in 3 Tagen zu erwandern und im Park an einem der wunderschönen Strände zu campen. Da aber die Wetteraussichten alles andere als gut waren haben wir uns per Taxi Boat zur schönen Barks Bay bringen lassen und sind dann an einem Tag mit ein paar Abstechern 27 km zum Auto zurück gewandert. Der Park ist wunderschön, aber 3 Tage wären dann doch etwas eintönig gewesen. Der Weg verläuft nämlich gar nicht immer an der Küste entlang, sondern auch oft über die Hügel. Toller wäre daher vermutlich der teurere Kajaktrip gewesen. Uns hats aber trotzdem sehr gefallen.

Nelson Lakes Nationalpark

Auf dem Weg von Nelson zurück nach Christchurch unternahmen wir eine letzte Wanderung im Nationalpark Nelson Lakes. Ein schöner Rundweg, vorbei an zwei typischen Alpenvereinshütten, die in Neuseeland allerdings sehr einfach gehalten sind. Ein Dach, vier Wände, Plumpsklo und eine Spüle. Da versprühen unsere bayerischen Hütten doch etwas mehr Charme.

In den letzten zwei Wochen haben wir auf Neuseelands Südinsel unglaublich viel gesehen und erlebt. Wir werden hoffentlich irgendwann mit mehr Zeit zurück kommen und noch tiefer in diese wunderschöne Landschaft eintauchen.

Südalpen auf dem Rückflug

Aber nun gehts für uns erst mal weiter nach Französisch Polynesien auf Tahiti und Moorea. Klingt auch nicht schlecht, oder?