Reisebekanntschaften

Nach den ersten Nächten in Backpacker Unterkünften fällt mir wieder auf, wie viele interessante Leute es auf dieser Welt kennen zu lernen gibt. Damit ich nicht alle Stories, die wir so erzählt bekommen, wieder vergesse, halte ich ein paar fest.

Steve, 70 jähriger Arzt aus England, der vier der acht 8000er bestiegen hat

Steve haben wir in Montagu auf dem Campingplatz kennen gelernt. Mit seinen 70 Jahren bereist er Afrika nicht zum ersten Mal. Diesmal allerdings Basic, d. h. ohne eigenes Auto, d. h. er trampt. Mit 50 ist er in Rente gegangen, hat sich ein Haus in Marokko gebaut, klettert und wandert viel und reist. Wenn ihm das Geld ausgeht, fliegt er nach England, meldet sich für einen Monat als Springer und verdient als Arzt so viel, dass er davon wieder einige Monate in günstigeren Ländern leben kann.

I turned around and the Mule was gone. With all my equipment it simply disappeared!

Eine seiner besten Geschichten: Ein Freund von ihm kauft zwei Mulis in Marokko. Steve bietet ihm an auf den Transport der Tiere zu verzichten, er wandere mit den beiden einfach vom Kaufort zum künftigen Stall. Klamotten etc. wurden auf das eine Muli gepackt, seine Arztausrüstung und die Einnahmen des letzten Arzt-Jobs auf das andere. Die Mulis laufen ziemlich selbstständig. Mal ein bisschen vor einem, mal ein wenig hinter einem. So ging das einige Stunden, bis nach einer Kurve auf dem schmalen Pfad plötzlich ein Muli weniger vor ihm zu sichten war. Er lief vor und zurück, rief, wartete, es tauchte nicht wieder auf. Dann fiel ihm ein Teil des Weges auf, der ein ausgebrochen war. Darunter der Fluss … Fort war das Muli, mitsamt der Arztausrüstung im Wert von 3000 € und dem letzten Arztgehalt aus England.

Wandertruppe in den Drakensbergen

Wir haben uns für zwei Nächte in der super schönen Inkosana Lodge einquartiert. Im Champagne Valley, Central Drakensberg, als Ausgangspunkt für bis zu 3400 Meter hohe Gipfel.

Umzingelt wurde unser Zelt von einer Gruppe von Männern, die am nächsten Tag in einem Zwei-Tagestripp einen der Gipfel erklimmen wollten. Dem ein oder anderen sah man schon an, dass er vermutlich nicht öfter wandern geht, als Weihnachten feiert pro Jahr.

Am Vorabend wurden erst mal die Rucksäcke gewogen und alles, was zu viel war, brav aussortiert. Um 05:30 Uhr am nächsten Morgen wurden wir von ihrem Gequatsche wach. Macht aber nichts, so konnten wir noch den Sonnenaufgang sehen und auf unserer Gipfelbesteigung der Hitze entkommen.

The bag you have in your hands, is a tent bag!

Während wir frühstückten versuchte einer der Herren ungefähr zehn Minuten lang seinen Schlafsack auf dem Tisch zusammen zu packen. Der Bergführer kommt dazu: „Is this Down Feather? Then you don’t need to fold it, just stuff it.“ Der Herr fängt also an, den Schlafsack irgendwie in seinen Bag zu stopfen. Darauf der Bergführer: „The bag you have in your hands, is a tent bag!“ und verlässt den Raum. 😉

Als wir von unserem Gipfel zurück kamen, trafen wir die Truppe noch einmal. Beim Frühstück unterwegs. Sie hatten gerade mal die Hälfte des Aufstiegs hinter sich. Motivation ist die halbe Miete! Aber meins wär ein Job als Bergführer ned.

Limus, der Xhosa

In der Transkei waren wir einen halben Tag lang mit Limus in den Hügeln und am Strand rund um die Community-geführte Unterkunft Mdumbi unterwegs. Er erzählte uns der Gemeinschaft hier in der Transkei, davon, dass sein Bruder vor einigen Monaten aus der Stadt zurück kam, in die er ging, um Arbeit zu finden. Und dass er froh darüber sei, weil er in der Stadt ständig getrunken und Ärger gehabt hätte. Hier auf dem Land hat ihm die Gemeinschaft ein kleines Geschäft und ein Cafe gegeben, das er jetzt führt. An der Wild Coast Südafrikas ist das Einkommen der Leute niedrig, die Beschäftigtenquote noch viel niedriger. Wer ist man, darüber zu richten ob es gut oder schlecht sei, wenn einem erzählt wird, dass es der Familie viel besser geht, seit man ein wenig Gras anbaut …

Florencia & Nicolás, Hanoi

Wir saßen in Hanoi zum Abendessen und ich bemerkte, wie am Nebentisch seitenweise Ausgaben in ein Buch geschrieben und wild zusammen gerechnet wurden. Da sah ich meine Chance gekommen, Werbung für die Travel Expenses App zu machen, die wir nutzen. So entwickelte sich sofort ein interessantes Gespräch mit den beiden Argentiniern, die zuletzt in Dänemark gearbeitet haben, jetzt Reisen und im Sommer in Deutschland arbeiten möchten. Für Florencia als Psychologin ist das vielleicht etwas schwieriger, für Nicolás, der als Grafikdesigner arbeitet, sicherlich einfach. Zumal er sich jetzt über das Netzwerk von Anian freuen kann. 🙂 Wir verstanden uns so gut, dass wir danach noch auf dein Bier gegangen sind, obwohl die beiden ziemlich früh zu ihrer Halong Bay Tour raus mussten.

Harvesting w**d is good money!

Die Argentinier scheinen mir ein abenteuerlustiges Völkchen zu sein. Schon in Laos haben wir ein Pärchen kennengelernt, dass sich den Start ihrer Reise als Erntehelfer für grüne, halluzinogene Pflanzen in Mexico finanziert hat. Puh, ich nehme an da gibt es eine ordentliche Risikozulage.

Barbara, Max and Samuele, unser erste Volunteering Erfahrung

In Neuseeland lebten und arbeiteten wir eine Woche lang mit einer Kiwi/Italo Familie westlich von Auckland zusammen und halfen mit auf ihrem Grundstück einen Mountainbike Track zu errichten. Und wir hatten richtig Glück, dass die drei auch noch echt cool waren. Die beiden sind begeisterte Radreisende. Max war schon in der Türkei, Syrien und dem Libanon unterwegs. Auch seine Geschichten, die er vor mehreren Jahrzehnten in Afrika erlebte, waren sehr spannend. Barbara kommt aus Italien, lebt aber seit vielen Jahren in Neuseeland. Während Barbara mit Anian intensiv über die Vor- und Nachteile von Waldordschulen diskutierte, schaute ich mir mit Max Fotos von seinen Südinsel Wanderungen und Radtouren an.

I want to be a Firefighter!

Als Barbara und ihre Freundin vor 10 Jahren keine Lust mehr auf Ihre stressigen Jobs hatten, unterhielten sie sich eines Nachmittags über ihre beruflichen Wünsche. Ihre Freundin wollte zur Polizei, Barbara zu Feuerwehr. Und da ist sie jetzt (ihre Freund ist übrigens auch tatsächlich Polizistin geworden) und erhöht die mickrige Frauenquote. Sie leitet als Firefighter ein Team von Aucklands Feuerwehr. Gerade deshalb kann sie sich wohl beim Thema Klimawandel so richtig in Rage reden. Weil die Feuerwehr all die Einsätze, die aufgrund von Überschwemmungen etc. zustande kommen, hautnah miterlebt.

Bei Barbara habe ich so richtig Lust aufs Brot backen bekommen. Es gab stets selbst gemachtes Ciabatta (eine echte Wohltat in Neuseeland) oder einen salzig, süßen Hefezopf.

Die beiden möchten unbedingt ihren Sohn für das Rad fahren begeistern. Wenn es gelingt, radeln sie vielleicht mal bei uns am Chiemsee vorbei. Max reist gern nach Europa, weil es so viel Historie hat. Ist einem gar nicht bewusst, wenn man vorher noch nie in Ländern war, in denen es bspw. keine Altstadt gibt. Europe rocks! 🙂

Paul & Karen, die Expat-Kiwis

happy nach dem Klettern

Paul kannten wir eigentlich schon und ich hätte nicht gedacht, dass wir uns noch einmal begegnen werden. Als wir vor vier Jahren durch Südostasien tourten, trafen wir den Engländer und seine damalige Frau auf Lao Liang, einer Miniinsel an der Grenze zu Malasya, auf der man nicht mehr machen kann als Klettern, Klettern und vielleicht noch Kayaken.

Anian fragte Paul vor unserer Reise nach Klettertips für Neuseeland und es stellte sich heraus, dass Paul jetzt in Nelson (nördliche Südinsel) lebt, eine Stunde vom größten Klettergebiet der Kiwis entfernt. Paul beherbergte uns für vier Tage, wir gingen klettern, kochten gemeinsam und hatten interessante Gespräche vor dem offenen Kamin. Ja, es war echt schon ein wenig frisch um die Jahreszeit. Seine Freundin Karen ist Kanadierin und ihre Aussprache-Dikussionen, ob es nun „Tomeito“ heißt oder „TomAto“, waren sehr unterhaltsam.

Knitball? What the hell is this?

An dieser Stelle möchte ich den Briten zudem noch meinen Dank für ihre gut verständliche Aussprache aussprechen. Die Neuseeländer neigen dazu ein e als i auszusprechen. So dachte ich anfangs, die populärste Sportart für Frauen auf der Insel hieße Knitball. Heißt aber Netball. 😉

Fanfan, französische Gastfreundschaft auf Tahiti

Eine unserer schönsten AirBnb Erfahrungen hatten wir auf Tahiti. Wir wohnten bei einer Französin, die als Jugendliche mit ihren Eltern die Südsee besucht hatte und schon damals beschloss, hier leben zu wollen. So kam sie vor zwanzig Jahren mit ihrem Mann hierher, kaufte sich ein Segelboot und segelte sechs Monate über viele, viele Inseln von Tahiti nach Neuseeland, um anschließend dort 3 Monate das Land zu erkunden. Wahnsinn!

Mittlerweile ist Fanfan in Rente (auch wenn man ihr das Alter nicht ansieht) und macht nur noch das, woran sie Freude hat. Malen, schnorcheln und wandern.

You are so nice!

Wir hatten eine super Zeit mit ihr, weil sie eine wahnsinnig herzliche Gastgeberin ist. Sie gab uns Tipps für Tahiti und Moorea und weil wir uns so gut verstanden, schlug sie immer mal wieder entzückt ihre Hände zusammen und sagte „You are soo nice!“. 🙂

Ihre Tochter lebt mit Enkelkind in Frankreich, wohin sie 1-2x im Jahr reist. Falls also jemand Interesse daran hat eine kreativ eingerichtete Wohnung auf einem Hügel mit Meerblick und super süßer Katze zu mieten, sprecht uns an. Hübsche Bilder malt sie auch!